Urheberrechtsverstoß durch Abfotografieren eines gemeinfreien Werkes?

Der Rechtsstreit zwischen dem Mannheimer Museum und Wikimedia beschäftigt auch weiterhin die Gerichte. Zu klären ist nun die Frage, ob das Museum Urheberrechte an den Fotos historischer Gemälde hat, obwohl der 70-jährige Urheberrechtsschutz bereits abgelaufen ist.

Stein des Anstoßes ist ein Porträt Richard Wagners aus dem Jahre 1862. Porträtiert hatte ihn seinerzeit der Maler Cäsar Willich. Das Urheberrecht an diesem Gemälde ist bereits erloschen, da der Künstler vor mehr als 70 Jahren gestorben ist. So weit so gut. Im Jahre 1992 wurde durch den hauseigenen Museumsfotograf eben dieses Gemälde abfotografiert. Kopien dieser Fotografie wurden nun auf Wikipedia verbreitet. Dort wird das Bild als gemeinfrei gekennzeichnet. Schließlich sei das Urheberrecht am Gemälde unstreitig erloschen und damit grundsätzlich der Allgemeinheit frei zugänglich zu machen.

Das Mannheimer Museum verfolgt deshalb auch eine ganz andere Strategie. Es argumentiert damit, dass die Fotografie ihres Hausfotografen wiederum Urheberrechtsschutz genießt. Es falle nämlich als Lichtbild unter den Lichtbildschutz des § 72 UrhG. Die gesetzliche Schutzdauer der Fotografie beträgt demnach weitere 50 Jahre.

Das Gericht wird dabei die Frage zu klären haben, ob die gesetzliche Schutzdauer von immerhin weiteren 50 Jahren mit dem Urheberrecht zu vereinbaren ist. Wikipedia argumentiert hier wohl nicht ganz zu unrecht, dass der Urheberschutz damit künstlich verlängert werde. Ein Zugänglichmachen für die breite Öffentlichkeit werde durch das Vorgehen des Museums erschwert, da das Fotografieren in den Museumsräumlichkeiten grundsätzlich untersagt sei und eine Verwendung nur gegen Zahlung einer Lizenzgebühr gestattet werde. Andererseits ist die Entscheidung für die Museumslandschaft von nicht unerheblicher finanzieller Bedeutung, würden hierdurch doch bisherige Einnahmequellen versiegen.